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_274_ Die Goldene Nadel der zweiten Welle

Mehr zur Konsum-Historiographie: ein Moment, der die amerikanische Trinkkultur umkrempelt.
_274_ Die Goldene Nadel der zweiten Welle
Die Linea Classic von La Marzocco mit "gesättigten Brühgruppen" / Photo by David Lundgren

Coffee as commodity macht den ersten einer Reihe von amerikanischen Kaffeekultur-Trends aus. Eine Konserve vorgemahlenen Kaffees stellt dafür ein gutes Emblem: Diese Dose Folgers erinnert zugleich an Warhol's ikonischen Siebdruck, ein Kunstwerk indem auch die Affirmation des Populären in Form des Konsumismus mitschwingt.

Kaffee war immer schon Identitätsstiftend für Amerika. Folgers besonders erfolgreich.

Die zweite Welle beschreibt den Siegeszug des Espressos und der Milchmischgetränke. Dementsprechend frage ich mich, was das Äquivalent einer geologischen "Goldenen Nadel" (golden spike) wäre: eine exakte Periodisierung benennt präzise jenen Moment in der Datenfülle von Jahrmillionen, der Ausschlaggebend für unumkehrbare Veränderungen auf globaler Ebene ist.

1990 kauft Starbucks (bereits unter der Leitung von Howard Schultz) eine La Marzocco, eine Espressomaschine aus Florenz des Typs Linea Classic. Das darin verbaute Patent: groupo saturare, also "gesättigte Brühgruppe", die direkt mit den Heizkesseln verbunden ist. Damit wird eine bislang unerreichte Temperaturstabilität angepriesen. Hitze fällt auch nicht ab, wenn plötzlich einmal mehr Kunden abgefertigt werden müssen. Diese Homogenität der Massenproduktion hallt in den Pappbechern wieder, diesen neuen Standard von den Kunden des eigenen Kaffeehauses auf alle urbanen Flaneure ausweitet; ultimativ den Konsumimperialismus US-amerikanischer Provenienz auf die ganze Welt.


Heute ist die Sonne über Wien um 7:33 aufgegangen. Dies war der 274. Second Sunrise, eine persönliche Notiz zu Kaffee und Alltagskultur.

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