_284_ Protest per Kaffeebestellung
Angeblich sprechen wir vom Americano seit dem Zweiten Weltkrieg, als amerikanische Soldaten, die in Italien stationiert waren, den traditionellen Espresso als zu stark empfanden. Um den Kaffee, wie zu Hause zu trinken, begannen sie, italienischen Espresso mit heißem Wasser zu verlängern. Die italienischen Baristas nannten diesen Stil schlicht „Americano“. Man kann sich gut vorstellen, dass die amerikanischen Kunden mit Augenrollen bedacht worden, wenn sie von der Intensität eines Espressos überfordert waren. Diese Adaption aus der Kriegszeit hat sich seither weltweit zu einem Standardgetränk in den Cafés entwickelt.
Wegen ruppiger Ansagen des amerikanischen Präsidenten wird nun per Kaffeebestellungen rebelliert. So schrieb ein Coffeeshop per Instagram aus:
“For 16 years, the Kicking Horse Café has been quietly calling Americanos ‘Canadianos.’ Today, we’re officially making it a thing and asking coffee shops across the country to make the switch. Join us. Call them Canadianos.”

Heute ist die Sonne über Wien um 6:12 aufgegangen. Dies war der 284. Second Sunrise, eine persönliche Notiz zu Kaffee und Alltagskultur.
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