_372_ Minus 18% Unvernunft
Kaffee hat viele physiologische Effekte, die wir gleich spüren, wirklich wissenschaftlich sind all diese schwer zu belegen. Unzählige Studien befassten sich mit den gesundheitlichen Folgen, tendenziell ist Kaffee als wohltuend rehabilitiert, manche angenommene, schädliche Effekte werden nun eher der Milch zugeschrieben.
Nun wurde ich auf eine besonders große Langzeitstudie der Harvard University hingewiesen, von der die ZEIT berichtete (Danke Ingo!): Wer über Jahrzehnte hinweg regelmäßig zwei bis drei Tassen Kaffee trinkt, hat ein geringeres Risiko, an Demenz zu erkranken. Auch ein bis zwei Tassen Tee zeigen einen ähnlichen Zusammenhang. Entscheidend scheint: das Koffein. Entkoffeinierter Kaffee zeigte keinen schützenden Effekt.
Beobachtet wurden mehr als 130.000 Personen – über im Schnitt 37 Jahre lang. In der Gruppe ohne Kaffeekonsum erkrankten etwa 12 von 100 Personen im Laufe von vier Jahrzehnten an Demenz. Bei jenen mit höherem Konsum waren es rund 10. Eine relative Risikoreduktion von etwa 18 Prozent.
Das Wort Demenz ist im Kern Lateinisch: "De-" – die Abwesenheit von "-mens", dem Geist. Das macht Minus 18% gesamtgesellschaftlicherm altersbedingter Unvernunft.
Heute ist die Sonne über Wien um 6:27 aufgegangen. Dies war der 372. Second Sunrise, eine persönliche Notiz zu Kaffee und Alltagskultur.
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