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_374_ KaffeeHAUSkultur

_374_ KaffeeHAUSkultur

In einer Ö1-Reportage im August 2023 war zu hören:

"So selbstverständlich wie der Kaffee am Morgen, so gering ist oft der Qualitätsanspruch. 'Wir haben eine Kaffeehauskultur, aber keine Kaffeekultur', heißt es aus der heimischen Röster- und Barista-Szene. Denn der am häufigsten getrunkene Kaffee gelangt als industrielle Massenware in unsere Supermärkte."

Was hier aus dem Lokalaugenschein berichtet wird, raunten mir meine Kunden schon vor fast zehn Jahren über die Bar zu – mit derselben Betonung auf -haus-. Im Grunde wird so harsche Kritik an unzureichender Qualität der namensgebenden Getränke abgeschwächt: Das Wiener Kaffeehaus wahrt Tradition und Architektur. Man schert sich dort halt nicht um sorgfältige Zubereitung. Warum auch? Für Touristen, die ihre Schaulust am 'guten alten Wien' befriedigen wollen, reiche es schon. Sie kommen ohnehin kein zweites Mal.

Wo soll denn sonst Kaffeekultur entstehen? Ist doch klar, dass dies in Röstereien und Cafés geschieht: den spezialisierten Häusern der Verarbeitung und den dafür eingerichteten Orten des Ausschanks. Wohnen und arbeiten die heimischen Röster und Baristas auf Kaffeebäumen?


Heute ist die Sonne über Wien um 6:17 aufgegangen. Dies war der 374. Second Sunrise, eine persönliche Notiz zu Kaffee und Alltagskultur.

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