_422_ Filterpapier anfeuchten
Einst rieten sich Baristas einander, dass es ganz wichtig sei, den Papiergeschmack auszuschwemmen. Das Filterpapier muss noch bevor das Mahlgut hineingelangt mit dem heißen Wasser ausgespült werden. Mit dem Nebeneffekt auch gleich die Kanne vorzuwärmen. (Wie oft wurde dann eben mit dem Kaffeeaufguss begonnen, ohne, dass dieses Spülung nicht entsorgt wurde und so das Kaffeegetränk verwässerte!)
Das Wissen dazu ist überholt, die Praxis hat sich aber nicht verändert: Vermutlich ist niemand in der Lage gebleichtes Papier zu erschmecken. Weißes, trockenes Filterpapier gibt keinen Geschmack ab. (Braunes Filterpapier meine ich schon unangenehm in der Tasse zu bemerken.) Ein warme Kanne als Auffangbehältnis ist auch nicht vorteilhaft – im Gegenteil. Wohl ist es einer gleichmäßigen Extraktion förderlich, wenn ein kalter Dripper nicht die Wärme aus Brühvorgang abzieht, was im Fall von Keramik einen merklichen Effekt hat, stärker als bei Kunststoff oder Metall. Wenn die Hitze im Wasser bleibt und nicht das Gerät erwärmt, ist aus die Lösung von Inhaltsstoffen effizienter.
Also kein Desaster, wenn man mal vergessen sollte das Papier anzufeuchten. Das Endergebnis schmeckt vielleicht anders, aber das muss ja nicht immer unerwünscht sein.
Heute ist die Sonne über Wien um 7:06 aufgegangen. Dies war der 422. Second Sunrise, eine persönliche Notiz zu Kaffee und Alltagskultur.
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