1 min read

_366_ Melange

Die Fabel vom kulinarischen Alleinstellungsmerkmal des Milchkaffees aus Wien.
_366_ Melange
Photo by E. Presso

Eine Melange wird gemischt (frz.: mélange „Mischung“) aus Kaffee und Milch, so viel ist klar, in feinstem Schönbrunner Deutsch bestellt – "Geh bitt' di goa sche, bringst ma a Mölansch." – also auch auf Silbertablett mit dem Glaserl Wasser serviert.

Der technische Unterschied hierzulande ist wohl nicht der Schlagobers, denn die enzyklopädische Auflistungen nennen eine ganze Reihe anderer Getränke: Einspänner, überstürzter Neumann, Maria Theresia, usf. Manche streuen unter erheblichen Distinktionsdruck, der durch die Nennung beider Varianten auf dem Menü entsteht, auf ihre Capucchinos doch etwas Kakao drauf.

Ein Unterschied, für den ich ebensowenig endgültige Originaldokumente heranziehen kann, aber der mir zumindest stereophon zu Ohren kam, also aus verschiedenen, unabhängigen Quellen, (bzw. ich immer wieder nebenbei recherchierend auflas) ist, dass die Grundlage für eine Melange ein Verlängerter sei: ein Kaffee, mit Wasser gestreckt und dementsprechend weniger Milch, als etwa der Kapuziner, der Kaffee mit so viel Milch, dass seine Farbe jener der Mönchskutte entspricht. Der wird auf italienisch zum Capucchino.


Heute ist die Sonne über Wien um 7:06 aufgegangen. Dies war der 366. Second Sunrise, eine persönliche Notiz zu Kaffee und Alltagskultur.

Dieser Newsletter erklärt im Espressoformat kostenlos, unabhängig und kritisch eine Nebensache zum Hauptanliegen. Längere Essays und vergangene Aussendungen finden sich auf der Website. Empfiehl unser Projekt und leite das Mail weiter, werde Förder-Mitglied und hilf den Standard zu heben, mit dem wir unsere Gegenwart wahrnehmen. Auch ein einmaliges Trinkgeld hilft meinen kulturhistoriographischen Service aufrecht zu erhalten.