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_388_ Klingeln in der Kaffeedose

Ein Moderner Mythos kündigt die Ankunft der Computerspiele per klingender Kaffeekasse an.
_388_ Klingeln in der Kaffeedose

Pong von Atari gilt als erstes kommerziell verwertetes Videospiel. Wie sich dieser Erfolg anhand der ersten Maschine zeigte, die in einer Bar aufgestellt wurde, wird bis heute (wie hier) mit einer Fabel kolportiert:

Etwa eine Woche später rief der Barmanager [Al] Alcorn an. Mit dem Pong-Automaten stimmte etwas nicht. […] Kaum hatte er die Tür aufgestoßen, sah er die Vierteldollar-Münzen. Die Münzen hatten die Kaffeedose, die als Münzbehälter diente, gefüllt und waren auf den Holzboden des Gehäuses übergelaufen. Es mussten 100 Dollar in Vierteldollar-Münzen sein. Pong hatte nicht gestartet, weil der Münzbehälter zu voll war, um den Startmechanismus auszulösen. Alcorn strich Ataris Anteil an den Einnahmen ein und überreichte dem Manager den Restbetrag sowie eine Visitenkarte. „Wenn das noch einmal passiert, rufen Sie mich sofort zu Hause an. Ich kann das immer regeln“, versprach Alcorn. Seine spontane Lösung bestand darin, die Kaffeedose durch einen größeren Behälter zu ersetzen: einen Milchkarton.

Etwas verdächtig scheint manchen die Kontinuität der improvisierten Auffangbehälter: Warum tauscht man eine Kaffeekanne ausgerechnet gegen eine Milchpackung? Ist das vielleicht ein Hinweis auf die Künstlichkeit einer gut ausgedachten oder abgelauschten Geschichte?


Heute ist die Sonne über Wien um 6:59 aufgegangen. Dies war der 388. Second Sunrise, eine persönliche Notiz zu Kaffee und Alltagskultur.

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