_389_ Billige Becher, Entbehrliche Rechte
2023 wurde der ehemalige Starbucks-CEO Howard Schultz vor dem Repräsentantenhaus zum Hearing geladen. Inzwischen ist das, was dort verhandelt wurde, kaum mehr neu – ebenso wenig wie die Vorwürfe, dass Starbucks finanzielle Schlupflöcher nutzt oder mit seinen Angestellten fragwürdig umgeht. Im konkreten Fall ging es um Union Busting – das systematische Verhindern, dass sich Arbeitnehmer in Gewerkschaften organisieren.
Die hochrangige Juristin Sharon Block sagte dazu launig:
„Es ist entscheidend, dass eine derart ungeheuerliche Praxis ernst genommen wird, denn andernfalls sendet sie Arbeitnehmer:innen in der gesamten Wirtschaft die Botschaft, dass ihre Rechte ebenso entbehrlich sind wie ein Starbucks-Becher.“
Man kann sich dieses US-amerikanische Staatstheater ansehen – eine Kategorie für sich, irgendwo zwischen weird to watch und aufschlussreich, gerade dort, wo ideologische Widersprüche unverhüllt zutage treten. Sein Nachfolger Brian Niccol verdiente im Jahr 2024 über 95 Millionen Dollar, 6.666 Mal mehr als der durchschnittliche Barista. Eine solche Arbeitskraft nicht nur leicht zu entsorgen wie ein Becher, sondern auch so billig in der Anschaffung.
Heute ist die Sonne über Wien um 5:36 aufgegangen. Dies war der 389. Second Sunrise, eine persönliche Notiz zu Kaffee und Alltagskultur.
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