_423_ Noch "eine Tasse Pupille", bitte!
Clemens Setz' Roman Indigo ist voll herrlich missbräuchlich verwendeter Phrasen. Floskeln werden in originelle Sprachbilder umgestülpt: „Draußen war der Himmel so blau, dass man eine Stecknadel darin hätte fallen hören.“ Und Bäume stehen rum, als ob sie gerade dabei wären, Leute zu umarmen, die unter ihnen vorbeigehen, dabei aber immer zu langsam sind.
Das sind die Bilder, die mir auf die Schnelle einfallen. Am öftesten muss ich an seine Beschreibung des Morgenkaffees denken: „Eine Tasse Pupille.“ Ausgerechnet der Punkt, durch den die äußere Welt in unsere Köpfe eintritt und als Bild kopfüber auf die Netzhaut geworfen wird. So spiegelt sich eine Funktion unseres weltstiftenden psychischen Apparats in der alltäglichen Ansicht des aufweckenden Heißgetränks.
Heute ist die Sonne über Wien um 7:09 aufgegangen. Dies war der 423. Second Sunrise, eine persönliche Notiz zu Kaffee und Alltagskultur.
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