_419_ Kaffeeblasenphobie
Trypophobie ist der terminus technicus für die pathologische Angst vor unregelmäßigen Lochmustern – deshalb auch coffee bubble phobia genannt.
Eine image search mag schnell den Eindruck erwecken, selbst darunter zu leiden. Die so flott ausgebreitete Sammlung an Bienenwaben, Lotusblüten, Insektenhotels und dazwischen gephotoshoppte Bildern löchriger Haut ist naheliegenderweise ekelerregend. Manche meinen daher, es handle sich um ein Internetphänomen, das durch sogenanntes priming verstärkt wird. Wer fragt, ob die gezeigten Bilder eine*n anwidern, suggeriert den Ekel schon. Wer weiß denn, ob nicht eben durch das Internet diese unklar abgegrenzte Phobie überhaupt erst sichtbar geworden ist? Neueste Forschung hält es am plausibelsten, dass wir instinktiv vor potentiellen Hautkrankheiten Abstand nehmen.
Diese Argwohn lässt mich Kopf-kratzend zurück. Die Augen des Argos Panoptes, hier im Bild von Bloemaert auf seinem kahlrasierten Hinterkopf, liefern eine grandiose Versinnbildlichung dieser Frage.

Blasen auf der Kaffeeoberfläche haben mich aber noch nie aus der Ruhe gebracht. Ich bin also wahrscheinlich ok.
Heute ist die Sonne über Wien um 6:57 aufgegangen. Dies war der 419. Second Sunrise, eine persönliche Notiz zu Kaffee und Alltagskultur.
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