1 min read

_426_ Kaiserliches Privileg

Exakt im Jahre 1700 begann in Wien eine neue Zeitrechnung.
_426_ Kaiserliches Privileg
Erste Seite des kaiserlichen Privilegs in Wien Kaffee verabzureichen (1700)

Das Gründungsdokument der Wiener Kaffeehauskultur liest sich in geläufiger Schriftart immer noch fremd:

Seine Majestät Leopold
von Gottes Gnaden Erwählter Römischer Kayser, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs in Germanien, zu Hungarn, Böheimb, Dalmatien, Croatien und Sclavonien… König Erzherzog zu Österreich, Herzog zu Burgund, Steyer, Kärnten, Crain und Württemberg, Graff zu Tyrol und Görtz.
Bekhennen offentlich mit disem Brieff, und thuen Kundt allermänniglich, daß unsz Die vier Burgerliche Caffè-Sieder alhier, Isaac Lugas, Philipp Rudolph Berg, André Beun, und Joseph Stephan Deyieb, durch glaubwürdige Abschrifft allergehorsambst zuvernehmen gegeben, wie daß Bürgermaister, unnd Rats diser Unserer Residenz Statt Wienn...

Genannt sind vier Armenier bei ihren eingedeutschten Namen. Wie auch sonst in Europa üblich, waren es die christlichen Einwohner des osmanischen Reiches, die sich darauf verstanden, Kaffee hierzulande bekannt zu machen. Nicht erwähnt wird Johannes Diodato, der allererste Kaffeesieder Wiens, der blöderweise um diese Zeit in Venedig weilte, während die allererste Welle des Kaffees ans Donauufer schwappte.


Heute ist die Sonne über Wien um 7:17 aufgegangen. Dies war der 426. Second Sunrise, eine persönliche Notiz zu Kaffee und Alltagskultur.

Dieser Newsletter erklärt im Espressoformat kostenlos, unabhängig und kritisch eine Nebensache zum Hauptanliegen. Längere Essays und vergangene Aussendungen finden sich auf der Website. Empfiehl unser Projekt und leite das Mail weiter, werde Förder-Mitglied und hilf den Standard zu heben, mit dem wir unsere Gegenwart wahrnehmen. Auch ein einmaliges Trinkgeld hilft meinen kulturhistoriographischen Service aufrecht zu erhalten.