_350_ Frohes Neues Jahr!
Heute ist die Sonne über Wien um 7:45 aufgegangen. Dies ist der 350. Second Sunrise, eine persönliche Notiz zu kontemporärer Kaffeekultur, die sich manchmal auf ein Bild, einen Videoclip, einen Witz, ein Gedicht beschränkt – mittlerweile auch mal ein überarbeiteter, früherer Second Sunrise. (Ist das schon ein Sonnenaufgang zum Quadrat?)
So oder so: das nenne ich Espressoformat: kurz, intensiv und erbaulich, so dass sich der Genuss auch mit geschäumter Milch oder heißem Wasser verlängern lässt – man folgt dann dem Link oder räsoniert beim eigenen Morgenkaffee weiter.
Die Nebensache Kaffee wird zum Hauptanliegen erklärt: Die Analyse des Infraordinären besteht aus der technischen Inventarisierung der Gerätschaften mit denen wir uns von Tagesanbruch bis Abends hin abseilen, beginnend in der Teeküche. Dies erlaubt uns mikroskopischen Einblick in die Beschaffenheit der Einbildungen von denen wir umgeben sind, wie Fische von Wasser – oder eben: Alltagskultur.
Bisherige Aussendungen kann man auf der Website einsehen; 15 längere Essays sind dort außerdem gelistet, drei davon sind im vergangenen Jahr hinzugekommen.
- Die fünf wichtigsten Schritte für besseren Kaffee zu Hause.
- Populärwissenschaftliches über die Nase.
- Aber auch aus der eignen historischen Kulturtechnikforschung.
Dieser eher zufällige Trias ist wohl programmatisch: Wie jeder Tag beginnt auch dieses Journal mit Kaffee; serviert daher praktische Anleitungen, um diesen auf höheren Niveau sich selbst zuzubereiten. Neben nerdig-wissenswertem über dieses ebenso zentrale Heißgetränk gibt es auch Weltanschauliches über den Tassenrand hinweg, das also unsere unreflektierten Annahmen herausfordert und dezentriert. Außerdem ist es ein Experimentierfeld der eigenen wissenschaftlichen Praxis, Versuche, die auch abseits akademischer Plattformen Erkenntnisse zu verwerten und zu verbreiten.
Das kostet die werte Leserschaft nichts und soll auch so bleiben – nur das scheint mir dieser Amateurredaktion angemessen und andererseits auch aufgrund der Dringlichkeit geboten: viel zu viele finden sich mit desaströs schlechtem Kaffee ab: brutal ausbeuterisch, ökologisch schädlich und unzumutbar ekelhaft.
Wenige unterstützten dieses Projekt bereits monetär, was – wie klein der Beitrag aus gewesen sein mag – wesentlich dazu beigetragen hat, dass es noch existiert.
Danke!
An den schlechteren Tagen, fühl ich mich genau dieser zahlenden Kundschaft verpflichtet und raffe mich doch noch auf. Dennoch tritt auch mitunter der worst case ein, und so schafft es dieser elektronische Postwurf nicht raus. Daher fühl ich mich noch zu 23 weiteren Sendungen verpflichtet. Denn angekündigt für das Jahr 2025 waren zwei pro Woche, damit sollten wir rein rechnerisch bei Nummer 373 sein.
Bis dahin wünsche ich mir, dass die Kosten gedeckt werden, die diese Website bisher verursacht hat und auch dieses Jahr verursachen wird. Ansonsten steige ich auf Substack um, eine Newsletter-Plattform. Diese verursacht keine zusätzlichen Kosten, erlaubt dafür aber auch keine so schön übersichtliche Präsentation der bisherigen Ergebnisse – ich weiß aber auch überhaupt nicht, wie diese derzeit genutzt wird: Gebt mir doch gerne Rückmeldung! Kritik verstehe ich immer als Wertschätzung, egal wie vernichtend.
Wer sich's leisten kann und gerne hier mitliest, könnte sich einen festtäglichen Ruck geben und als Förder-Mitglied einsteigen. Auch ein einmaliges Trinkgeld hilft meinen kulturhistoriographischen Service aufrecht zu erhalten. Alle anderen sollen doch jemanden von diesem Newsletter erzählen und ihn weiterempfehlen; auch damit ist mir immens geholfen!
So oder so freue ich mich über alle, die bisher diesen Weg mit mir gegangen sind und sich eingebracht haben. Für's nächste Jahr peile ich an, bei Nummer 450 zu landen. Rechnet mit regelmäßigem Erscheinen Montags, Mittwochs und Freitags und unregelmäßigem Aussetzen dieses Rhythmus. Außerdem plane ich eine Serie: Portraits von Speciality Coffee Shops. (Keine Kritiken!) So, dass sich hier nicht die übliche Liste mit altwiener Touristenkaschemmen findet, sondern eine Einführung in die variantenreiche Welt des Spezialitätenkaffees zum Nachflannieren.
Frohes Neues Jahr!
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